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Freitag, 01 Dezember 2017 20:13

OPEC+-Deal: Förderbremse bis Ende 2018 verlängert

Written by  Pjotr Iskenderow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Slawenkunde-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, Kandidat der historischen Wissenschaften

 

Das Ölkartell OPEC hat auf seiner Tagung 30. November in Wien beschlossen, die Förderkürzung um 1,8 Mio. Barrel pro Tag bis Dezember 2018 zu verlängern. Diese Entscheidung wird das ohne jeden Zweifel eine stabilisierende Wirkung auf den Weltölmarkt entfalten und dabei auch  Russland finanzielle und wirtschaftliche Vorteile bringen. Denn in die Staatskasse werden mehr Einnahmen aus den Energieexporten fließen. „Die Laufzeit der Kooperationserklärung wird auf das ganze Jahr 2018, von Januar bis Dezember 2018, verlängert“, heißt es in Statement, das die 24 OPEC-Mitgliedstaaten und ihre Partner außerhalb des Kartells  (darunter auch Russland) nach dem Treffen in Wien veröffentlicht haben. „Die OPEC-Länder und die an der Vereinbarung beteiligten Staaten außerhalb der Organisation verpflichten sich zur vollständigen Einhaltung der getroffenen Vereinbarungen über die Drosselung der Produktionsmenge.“ (laut vestifinance.ru)

Nach Einschätzung der Beratungsfirma Vygon Consulting könnte die Verlängerung der Förderbremse (sogenanntes Abkommen OPEC+) in ihrer aktuellen Fassung der russischen Wirtschaft bis zu 800 Milliarden Rubel (ca. 11,6 Milliarden Euro) pro Jahr bringen. (laut vedomosti.ru)

Am Rande des Treffens in Wien gaben viele OPEC-Ölminister inoffiziell zu, dass „das Gleichgewicht auf dem Markt noch nicht wiederhergestellt“ worden sei.  Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih bezeichnete es als verfrüht, über einen Ausstieg aus dem Abkommen zu sprechen. Ihm zufolge rechnen die OPEC und ihre Verbündeten mit einer anhaltenden Ölnachfrage im dritten Quartal 2018, um das Überangebot endgültig abzubauen. Dennoch sei das Königreich offen für Diskussionen über eine schrittweise Lockerung der Förderbremse, wenn das Kartell all seine Ziele erreicht habe. (laut vestifinance.ru)

Der saudische Ölminister findet es fantastisch, wie die vereinbarten Förderkürzungen bislang eingehalten wurden. Es sei noch zu früh, über eine schrittweise Beendigung des Abkommens zu sprechen, aber der Ausstieg aus dem Abkommen werde „stufenweise“ erfolgen und „gut durchdacht“ sein, betonte Al-Falih. (laut rbc.ru)

„Wir haben alle empfohlen, das Abkommen zu verlängern“, teilte der russische Energieminister Alexander Nowak im Namen des ministeriellen Prüfkomitees zur Überwachung der Förderdrosslungen (JMMC), das einen Tag vor dem OPEC-Treffen getagt hatte. Dem JMMC gehören Algerien, Kuwait, Saudi-Arabien Venezuela sowie zwei Nicht-OPEC-Staaten - Russland und Oman an. Saudi-Arabien und Russland sind die Co-Vorsitzenden.

„Alle 24 Länder werden diese Situation weiter diskutieren. Aber ich bin mir sicher, dass man den Empfehlungen des JMMC folgen wird und dass das Ergebnis gut sein wird“, sagte Nowak. (laut vestifinance.ru)

Die erdölexportierenden Länder hatten sich bereits beim OPEC-Treffen Ende November 2016 auf eine Produktionskürzung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag geeinigt. Das Abkommen trat am 1. Januar dieses Jahres in Kraft und wurde im Mai bis zum 31. März 2018 verlängert. Allein die Mitgliedsländer des Kartells reduzierten die Tagesproduktion um 1,2 Millionen Barrel auf 32,5 Millionen Barrel. Die Nicht-OPEC-Staaten fuhren die Produktion um insgesamt 558.000 Barrel pro Tag herunter. Allein Russland drosselte die Förderung um 300.000 Barrel pro Tag.

Von allen möglichen Herangehensweisen wählten die Teilnehmer des Wiener OPEC-Treffens die konsequenteste und zugleich die entschlossenste. In den Wandelgängen war eine Option diskutiert worden, die vorsah, dass die Ölminister die endgültige Entscheidung über die Verlängerung der Förderbremse verschieben würden, um sie so weit wie möglich an das Tempo der Schiefergasförderung in den USA anzupassen. Es wurde unter anderem erwogen, im Januar 2018 einen außerplanmäßigen OPEC-Gipfel einzuberufen, um die Situation der amerikanischen Produzenten zusätzlich zu analysieren und dementsprechend über die Eckdaten des eigenen Kürzungsdeals zu entscheiden.

Doch in Wien setzten sich diejenigen durch, die für entschlossenere Maßnahmen plädierten, in erster Linie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Venezuela, die aus eigenen Gründen an einem nachhaltigen Wachstum der Ölpreise interessiert sind. Statt auf einem außerplanmäßigen Gipfel im Januar 2018 wird die OPEC nun bei einem Treffen im Juni 2018 prüfen, wie das Abkommen zur Reduzierung der Ölproduktion umgesetzt wird. „Aufgrund der Ungewissheit, die hauptsächlich mit dem Angebot und zum Teil auch mit der wachsenden Nachfrage verbunden ist, wird im Juni 2018 über weitere Maßnahmen je nach Marktsituation und je nach Fortschritt bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts auf dem Ölmarkt entschieden werden“, heißt es im Statement von Wien. Auch Libyen und Nigeria werden ihre Ölförderung drosseln müssen. Diese beiden Länder, die zusammen 1,3 Millionen Barrel Öl täglich produzieren, sind bislang wegen ihrer komplizierten innenpolitischen Situation und der terroristischen Bedrohung von der Vereinbarung ausgenommen. (laut vedomosti.ru)

Darüber hinaus stimmten die Teilnehmer des Treffens einer „Verlängerung des Mandats des JMMC“ zu. Dieses Gremium hat die Umsetzung des Abkommens OPEC+ zu überwachen und weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Ölmarktes zu unterbreiten hat. (opec.org)

Obwohl die Verlängerung des Abkommens eine nachhaltig positive Wirkung entfalten wird, wird die weitere Entwicklung auf dem Weltölmarkt von einer Reihe wirtschaftlicher und geopolitischer Faktoren abhängen.

Laut OPEC-Angaben sind die kommerziellen Rohöllagerbestände der OECD-Länder seit dem Inkrafttreten des Abkommens OPEC+ (vom dritten Quartal 2016 bis zum dritten Quartal 2017) von 3,067 Milliarden auf 2,985 Milliarden Barrel zurückgegangen, die Ölbestände in Tankschiffen schrumpften von 1,068 Milliarden auf 997 Millionen Barrel. (laut opec.org)

Trotz der eindeutig positiven Dynamik seien weitere Maßnahmen nötig, um den Ölmarkt ins Gleichgewicht zu bringen, sagte der russische Energieminister Nowak in einem Interview mit der Onlinezeitung RBC einen Tag vor dem Wiener Treffen. „Der Überschuss an Rohöllagerbeständen ist bereits um rund 50 Prozent geschrumpft, der Preis pendelte sich bei dem annehmbaren Stand von über 60 Dollar für ein Barrel der Ölsorte Brent eingependelt. Nach der Talfahrt von 2015 und 2016 im Jahr 2017 wachsen die Investitionen wieder. Dennoch haben wir das Endziel des Marktgleichgewichts noch nicht erreicht. Deshalb stimmen fast alle darin überein, dass der Deal weiter verlängert werden muss, um dieses Endziel doch noch zu erreichen“. (laut rbc.ru)

Die Teilnehmer der Vereinbarung OPEC+ können allerdings nur diejenigen Faktoren mit in die Rechnung einbeziehen, die in ihrer Zuständigkeit liegen, aber sie sind nicht in der Lage, auf solche wichtigen Aspekte wie die amerikanische US-Fracking-Industrie Einfluss zu nehmen. Die USA, die ursprünglich nicht an dem Deal teilnehmen wollten, steigerten seit Ende November 2016 ihre Ölproduktion um 11,5 Prozent auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag.

In ihrer im November veröffentlichten Prognose geht die Internationale Energieagentur (IEA) davon aus, dass die Ölproduktion in den USA in den nächsten Jahren noch schneller wachsen wird. Nach der Auswertung der IEA-Daten erwartet die Agentur World Energy Outlook, dass die US-Schieferindustrie bis Mitte der 2020er-Jahre eine Tagesproduktion von 30 Millionen Barrel Öl erreichen wird, was mit der aktuellen Produktion der gesamten OPEC vergleichbar ist. Darüber hinaus geht die IEA davon aus, dass die USA bis zum Jahr 2027 erstmals seit 1953 zum Netto-Ölexporteur werden. Die US-Regierung ist noch optimistischer und erwartet, dass dies schon 2026 der Fall sein wird.

Es ist gerade die wachsende Ölproduktion in den USA, die dem Ölkartell einen Strich durch die Rechnung machen kann. „Die OPEC kann ihr Kürzungsabkommen ja nicht unendlich verlängern“, sagt Valeri Nesterow, Analyst bei Sberbank CIB. Nach seiner Einschätzung verschafft das jetzige Abkommen den Ölunternehmen eine längere Atempause und sorgt für günstige Preisverhältnisse. Es liegt sowohl im Interesse Russlands, wo im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen anstehen, als auch im Interesse Saudi-Arabiens, wo 2018 der Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco bevorsteht. Danach werde der Deal sehr wahrscheinlich aber nicht mehr verlängert werden und die Weltkonzerne würden wieder in das Chaos stürzen, wie es vor dem Ölpreisabsturz im Jahr 2014 bestanden habe, warnt Analyst Nesterow. Seinen Worten nach könnte ein zu hoher Preis dem Fracking in den Vereinigten Staaten Impulse verleihen. Im Oktober dieses Jahres sind die USA bereits unter den zehn größten Öllieferanten Chinas gelandet. (rbc.ru)

Anthony Yuen, Ressortleiter Weltmarktstrategie der Citigroup, erwartet, dass der Ölpreis im Jahr 2018 auf 54 Dollar pro Barrel (gegenwärtig liegt er zwischen 62 und 64 Dollar) und im Jahr 2019 auf 49 Dollar sinken wird.

Andererseits sollte man die Möglichkeiten der Schieferindustrie nicht überschätzen. Obwohl die Ölproduktion in den USA in der letzten Zeit wächst, sind die amerikanischen Rohöllagerbestände seit März 2017 um zwölf Prozent geschrumpft. Außerdem dürften die geopolitischen Faktoren nicht außer Acht gelassen werden, die die Situation in der Welt, darunter auch auf dem Ölmarkt, destabilisieren und den Ölpreis nach oben treiben könnten. Zu diesen Faktoren gehören vor allem die Gefahr einer schärferen Konfrontation unter den wichtigsten Akteuren, die in Syrien und im Irak mitmischen, ebenso wie eine weitere Zuspitzung zwischen den USA und dem Iran, zwischen Saudi-Arabien und Katar sowie ein Staatsbankrott oder eine innenpolitische Krise in Venezuela, eine Eskalation der Nordkorea-Krise.

Unter diesen Umständen müsste sich Russland auf verschiedene Szenarien gefasst machen, die ab Juni 2018 Realität werden könnten, wenn die OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten über die Zukunft der Förderbremse entscheiden werden.

 

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