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Sonntag, 05 November 2017 10:19

Ideen aus der Russischen Welt für die ganze Welt

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Nischni Nowgorod – Moskau

Mehr als 500 Delegierte aus 73 Länder haben sich kurz vor dem russischen Tag der Volkseinheit zu der 11. Konferenz der Stiftung „Russkij Mir“ (zu Deutsch: „Russische Welt“) eingefunden. Als Austragungsort wurde Nischni Nowgorod ausgewählt. Diese Industrie-, Forschungs- und Kulturmetropole an der Wolga hatte beim Werdegang des russischen Staates eine besondere Rolle gespielt.

Das Dachthema der Konferenz lautete: „Ideen der Russischen Welt für die Welt“. In seiner Grußbotschaft geäußerte der russische Präsident Wladimir Putin, dass „die jahrhundertelange Erfahrung unserer Vorfahren, ihre über lange Zeit bewährte Tradition des gegenseitiges Vertrauens und der Solidarität einen gewichtigen Beitrag zur Bewältigung der wichtigsten Zivilisations- und humanitären Probleme beisteuern können und müssen, vor denen die Welt von heute steht“. Laut Putin hat die „große“ Russische Welt der übrigen Welt Einiges anzubieten. Es gehe vor allem um die Zusammenarbeit zwischen Kulturen, Konfessionen und Ethnien, aber auch um Bildung und den humanitären Bereich sowie darum, die globale Agenda in der entstehenden multipolaren geopolitischen Realität mitzubestimmen.

Wissenschaftler und Kulturschaffende, Historiker und Polotologen, Journalisten und Russisch-Lehrer aus verschiedenen Ländern der Welt – „all diejenigen, denen Russland am Herzen liegt, die mit Russland seelisch verbunden sind und bei wichtigen Bildungs- und Informationsprojekten mitwirken möchten“ – tauschten sich zu den wichtigsten Themen aus, vor allem zur Erhaltung des kulturhistorischen Erbes Russlands und zur Förderung des Zusammenhalts der Russischen Welt. Zudem wurde die Rolle der russischen Sprache erörtert, die als ein nicht wegzudenkender Teils der russischen und der Weltkultur bei der Vermittlung humanistischer Ideen, geistiger und sittlicher Grundsätze als Medium dient.

Am Rande der Konferenz diskutierten die Teilnehmer am Runden Tisch zu folgenden Themen: „Die russische Sprache in einer polyethnischen Bildungsumgebung“, „Die Russische Welt und Puschkin“, „Der Dialog zwischen Religionen in Russland: Erfahrung und Perspektive“, „Medienraum im Dialog der Kulturen“.

Vertreter aus Lettland und Mexiko, Großbritannien und Israel, China und Kanada sprachen über die Bedeutung des geistigen und historischen Erbes der russischen Nationalkultur für die ganze Welt. Dabei wurde bestätigt, was Patriarch Kyrill, Oberhaupt der Russisch-orthodoxen Kirche, bereits in seiner Grußbotschaft formuliert hatte: Dass die Ideen, „die im Zivilisations-Raum der Russischen Welt entstanden und von geistigen und moralischen Grundsätzen geprägt sind, von unvergänglich universeller Bedeutung“ und durchaus „lebensfähig“ seien.

Viele Referenten äußerten dahingehend, dass die globale Konkurrenz in der heutigen Welt auch in den Bereich der Kultur und Zivilisation vordringe, und dass neben neuen Chancen auch neue Herausforderungen entstünden, die die kulturelle Einzigartigkeit von Ländern und Völkern gefährden würden.

Aus dieser Sicht kommt dem Medienraum als einem gemeinsamen Produkt von Kultur und Sozialem eine wichtige regulierende Rolle zu. Die Herausbildung des weltweiten soziokulturellen Raums ist nur möglich, wenn verschiedene ethnische Kulturen und Künste im Medienraum ausreichend  verbreitet sind. Dazu ruft auch die UNESCO in ihrer Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt auf und sieht in der Erhaltung der ethnischen Kulturen eine wichtige Bedingung für das Überleben der Menschheit.

Während der Konferenz stellten mehrere Redner fest, dass das russische Modell der Interaktion zwischen Kulturen, Ethnien und Konfessionen sich über lange Zeit bewährt, seine Solidität und Stabilität unter Beweis gestellt habe. Und dass dieses Modell aus diesem Grund stärker verbreitet werden sollte. Denn es sei offensichtlich, dass die Welt von heute gerade ein solches Modell brauche. Keinen Multikulturalismus und kein erzwungenes Nebeneinander von diversen, einander fremden Kulturen, das im heutigen Europa bereits dazu führt, dass Toleranzwerte infrage gestellt werden, sondern eben einen Kulturpluralismus, der auf Mitschaffen, auf gegenseitiger Beeinflussung und gegenseitiger Bereicherung beruht. Diese Realität ist reif genug, um im weltweiten Informationsraum aktiv verbreitet zu werden.

Einige Konferenzteilnehmer verwiesen auch darauf, dass Russland und die gesamte Russische Welt jetzt unter einem kolossalen Informationsdruck stünden, und dass unter diesen Umständen gerade der Kulturdiplomatie als Teil der „Soft Power" eine zunehmende Rolle zuteilwerde.

Aber Kulturdiplomatie ist heute ohne Innovationen nicht mehr vorstellbar und geht deshalb mit digitaler Diplomatie einher, indem sie ihre Audio- und Bild-Präsenz im Internet ausbaut: In den sozialen Netzwerken, auf Messenger-Plattformen und in multimedialen Massenmedien.

In den Diskussionen kam der Gedanke auf, dass das Interesse am Journalismus als Beruf nicht nachlasse, obwohl die neuen Technologien (Big data, Roboter-Journalismus und Messenger und soziale Netzwerke, die bereits für fast zwei Milliarden Menschen zum Lebensraum geworden sind) für einen Durchbruch im Medienbereich gesorgt haben.

Die Technologien halten mittlerweile überall schnell Einzug, verlieren jedoch dabei an Wert. Was wirklich wertvoll ist, ist es, solche Ideen anzubieten, die die tiefen Bedürfnisse des Publikums ansprechen. Automatische Algorithmen sind dieser Aufgabe nicht gewachsen. Denn ihnen fehlt es an Intuition, an Geschmack und an Maßgefühl.

Das höchste Wachstumspotenzial liegt deshalb in der Entwicklung von kulturell-humanitären, Aufklärungs- und Bildungsprojekten, solchen wie dem Konzept „Russische Schule im Ausland“. Dieses Projekt sieht vor, dass die Jahresquote für ausländische Studenten an russischen Hochschulen auf 30.000 erhöht wird und dass gebührenfreie Studienplätze vor allem an Auslandsrussen vergeben werden.

Auf der Konferenz ging es auch darum, dass die heutigen Massenmedien immer häufiger die Frage aufwerfen würden, dass der Journalismus eine persönliche moralische und ethnische Wahl und eine persönliche bürgerliche Verantwortung ist.

Deshalb müsste ein Journalist, wie es hieß, eine innere „Stimmgabel“ haben, die in der russisch-orthodoxen Tradition als Stimme des Gewissens bezeichnet wird. Das ist jene universelle Eigenschaft der menschlichen Natur, die wir alle von Geburt an besitzen.   

Dadurch unterscheidet sie sich von herbei konstruierten „wahren universellen Werten“, die von dem, der sie einst erfunden hat, jederzeit an seine politischen, ideologischen oder finanzwirtschaftlichen Interessen angepasst werden können.

Ohne einen moralischen Konsens ist kein Vorankommen möglich. Das trifft sowohl auf die Politik als auch auf den Journalismus zu, weil die Massenmedien, egal ob die traditionellen oder die Netzmedien, immer öfter nicht als Plattform zur Vermittlung von Wissen dienen, sondern zunehmend als Austragungsort einer Konfrontation, wenn es um Beziehungen zwischen Kulturen und Ethnien geht.

 

Die Teilnehmer der 11. Konferenz der Stiftung „Russkij Mir“ sprachen sich für weitere Anstrengungen aus, um eine positive Agenda in die Welt zu setzen, einen Dialog zwischen Zivilisationen in die Wege zu leiten und auszubauen. Die Russische Welt, die die eigenen historischen und Kulturtraditionen zu wahren und zu entwickeln weiß und dabei mit den Kulturen anderer Völker sorgsam umgeht, ist für einen solchen Dialog immer offen. 

 

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