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Dienstag, 02 Juli 2013 12:25

Über die Fragen des Gegenstandes und der Methode der modernen Diplomatie

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In der heutigen Anprache möchte ich auf den fundamentalen Fragen des Gegenstandes und der Methode der modernen Diplomatie verbleiben. Wir leben in der Zeit, da die Welt sich im Zustand der Komplextransformation befindet, ohne deren Verständnis die Diplomtie eines jeden Staates die Beziehung mit der Realität und folglich ihre Effizienz als Werkzeug der Sicherung der aussenpolitischen Interessen verlieren kann. Und „solche Beispiele“ sind noch zu frisch im Gedächtnis, dass sie vergessen werden könnten. 

Dieses Gespräch ist heute wie nie zuvor erforderlich, da wir in den Kontakten mit unseren Partnern, darunter auch den westlichen, sehen und empfinden, dass der objektive Prozess der Konvergenz – vor allem auf dem Niveau der Ideen, aber auch auf dem Niveau der praktischen Politik vor sich geht. Die Ankunft der demokratischen Administration in den USA an die Macht unter der Losung der Veränderungen verlieh diesem Prozess die Beschleunigung. Das Thema der Verändrungen in der globalen Landschaft selbst, die noch vor kurzem von einigen Leuten als das Konfrontationsthema, als der Versuch empfangen wurde, „die Grundfesten anzugreifen“, beginnt sich im Grundstrom der internationalen Dissskussionen zu behaupten. Obwohl die Überbleibsel der methaphysischen Weltanschauung als ertwas Erstarrtes immer noch zu hören sind.

Die Zeugnisse der Annäherung der Herangehensweisen lieferte neulich die Internationale Konferenz „Der moderne Staat und die globale Sicherheit“, auf der der Präsident Russlands D.A.Medwedew sprach. Der überaus representative Bestand der Teilnehmer und die inhaltsreichen Diskussionen bestätigten den Schluss, dass der moderne Staat überhaupt nicht abstirbt, sondern nach wie vor das Schlüsselinstrument für die Harmonisierung der Interessen der Gesellschaft und der Persönlichkeit und nach aussen her – zum wichtigsten Glied der internationalen Beziehungen bleibt, die ihren zwischenstatlichen Charakter bei aller Vielfalt der anderen Teilnehmer der internationalen Kommunikation vorwiegend erhält.

In dieser Beziehung verdient der Artikel Zb.Brzezinski΄s in der letzten Nummer der Zeitschrift „Foreign Affairs“ die Aufmerksamkeit. In seinem Untertitel – „Zum globalen Netz der Sicherheit“ – greift der Verfasser zu unserer These über die Netzdiplomtie, die in der Konzeption der Aussenpolitik Russlands ihren Ausdruck fand.

Der Gegenstand der internationalen Beziehungen verändert sich wesentlich. Das ist schon keine dynastische oder Kabinettpolitik um die Interessen, die sich ausschlisslich auf die territoriale Umverteilung der Welt und der Absätzmärkte und zur Formierung der Koalitionen zu diesem Zweck angesichts der kommenden Militärkonflikte hinauslief. Die moderne Diplomatie beschäftigt sich im wesentlichen mit den grundlegenden Fragen des nationalen Lebens – von der Gewährleistung der Sicherheit in ihrer modernen, „globalen“ Auslegung bis zu den Fragen des Wohlstandes, einschlisslich der Erhaltung und Schaffung der Arbeitsplätze.

Globale Herausforderunen und Drohungen, denen man der Definition nach nur durch die solidarischen Anstrengungen aller Staten gegenüberstehen kann, rücken in der Vorderegrund. Dabei sind diese Herausforderungen nicht durch die jemanden bedrohenden Staaten, sondern durch die Erscheingungen vertreten – solchen, wie internationaler Terrorismus, grenzübergreifende Kriminalität und Narkotrafik, gesetzwidrige Migration und Veränderng des Klimas. Das andere entsprechende Instrumentarium ist auch erforderlich – keinesfalls die Zahl oder die Feuerkraft der Divisionen.

Man kann Zb.Brzezinski zustimmen, dass die Welt heute weder von „dem militanten Fanatismus der nationalistischen Staaten, die zur territorialen Expansion geneigt sind“, noch durch „die Bestrebungen der Ideologie, die den Anspruch auf die Universalität erhebt“. Wir sprechen schon seit mehreren Jahren davon. Und wir möchten hoffen, dass wir endlich einmal erhört werden.

Entsprechend dem Gegenstand erfährt auch die Methode der Führung der Angelgenheiten in den internationalen Beziehungen ernstzunehmende Veränderungen. Das sind schon nicht mehr die hierarchischen Konfigurationen, deren Apotheose die Spaltung der Welt in zwei gegenüberstehenden Blocks in der Periode des „kalten Kreiges“, sondern die Mehrvektornetzdiplomatie geworden ist, die die biegsamen Formen des Zusammenwirkens verschiedener Staatengruppen voraussetzt, um die zusammenfallenden Interessen zu sichern. Es handelt sich von nun an nicht – oder es muss sich nicht darum handeln – jemanden „aufzuhalten“, sondern um die kollektiven Anstrengungen für etwas, für die überaus konkreten Interessen, die für die internationale Gemeinschaft im grossen oder für einen bestimmten Kreis der Staaten gemeinsam sind.

Viele Forscher, darunter auch Zb.Brzezinski, erkennen an, dass sich die fünfjahrhundertealte Dominierung des Westens in der Weltpolitik, Wirtschaft und den Finanzen und gleichzeitg die laufende Etappe der Globalisierung, die durch die Ideen und Praktiken der westlichen Ländern inspiriert war, dem Ende neigen. Es entsteht notwendigerweise die Frage, wie sich das auf den Gegenstand und die Methode der Diplomatie auswirkt? Das sich formierende polyzentristische internationale System wird doch unter dem Einfluss verschiedener Weltanschauungen und Wertsysteme stehen. Die Ungleichmässigkeit – oder die Kultur- und Zivilisationsvielfalt - der Welt stellt die Suche nach dem gemeinsamen Nenner im breiteren Kreis der Staaten als Grundlage der internationalen Zusammenarbeit auf die Tagesordnung.

Dabei lässt sich die Realität erkennen, dass moderne Konflikte und Krisensituationen keine Gewaltlösungen kennen und das diktiert die Wahl zugunsten der Einbeziehung dieser Staaten, wie „problematisch“ sie auch sind, und nicht deren Isolierung durch Sanktionen und sonstige Formen der Druckausübung. Die hohe Stufe der gegenseitigen Abhängigkeit, die zum Hauptprodukt der westlichen Globalisierung geworden ist, macht den Preis der Gewalt unermesslich, sei es in der Form der Kriege bzw. der Revolutionen, durch die sich die vorherige Geschichte - und insbesondere das 20.Jahrhundert - auszeichnete. Die gegenseitige Abhängigkeit zwingt alle die Aufmerksamkeit auf die nichtzerstörenden, d.h. politisch-diplomatischen Methodiken der Lösung der internationalen Probleme zu fokusieren.

Das bezieht sich in vollem Masse auf die Situation um Iran. Das Problem seines Nuklearprogrammes kann nur die komplexe Lösung durch die Verhandlungen im regionalen Kontext haben. Keineswegs eine gewalttätige Lösung. Die Versuche der Gewaltanwendung könnten die katastrophalen Folgen für die gesamte Region des Nahen und Mittleren Ostens haben, die sowieso durch die Konflikte, einschliesslich des arabisch-israelitischen, überbeladen ist. Deshalb müssen jene, die zur Forcierung des Druckes auf Teheran aufrufen, ihre Strategie bis zum Ende durchzudenken. Es gibt heute die reale Chance, die Verhandlungen in Gang zu bringen, deren Ergebnisse die Vereinbarungen sein sollen, die es ermöglichen, das Vertrauen bezüglich des ausschliesslich friedlichen Charakters des iranischen Nuklearprogramms wiederherzustellen, und die gleichberechtigte Beteiligung Irans am internationalen ökonomischen Leben und den kollektiven Anstrenungen für die Regelung der Krisensituationen in der Region zu sichern. Diese Chance durch die Forderungen der sofortigen Einführung der neuen antiiranischen Sanktionen zu vereiteln, wäre ein erstzunehmender Fehler.

Die Präsidentenwahlen in Iran bewiesen, dass es die „energische und wirklich dynamische bürgerliche Gesellschaft“ in diesem Lande besteht. Dieser Umstand diktiert auch die Wahl zugunsten der Einbeziehung Irans, eischliesslich des Beginns der Verhandlungen der „Sechs“ mit ihm und den direkten Dialog zwischen Washington und Teheran. Wie Kishor Machbubani im neulichen Artikel in „Projekt Syndikat“ betont, war tatsächlich die „Diplomatie erfunden, um zur Aufnahme der Beziehungen zwischen den Gegnern und nicht den Freunden beizutragen“.

In seinem Beitrag „Russland, vorwärts!“ unterstreicht Präsident Medwedew, dass unser Land in allen Etappen bestrebt war, den gerechteren Weltaufbau zu erreichen. Wir sehen jetzt das Ziel des globalen Systems darin, „solche Regeln der Zusammenarbeit und der Beilegung der Streitigkeiten auszuarbeiten, denen die modernen Vorstellungen über die Gleichheit und Gerechtigkeit zugrunde liegen“. So ist die gegenwärtige Deutung der historischen Rolle Russlands. Indem wir auf die Zusammenareit unter den anderen Bedingungen als die souveräne Gleichheit und der gegenseitige Vorteil verzichten, erreichen wir dieses Recht für alle Staaten.

Man darf nicht vergessen, dass es um die Prinzipien der internationalen Beziehungen geht, die von der Menschheit im Laufe ihrer gesamten Geschichte ausgearbeitet waren. Nach dem Westfällischen Frieden, der unter den relligiösen Kriegen in Europa den Schlussstrich machte, nannte man diese Prinzipien die westfällischen. Sie setzen pragmatisch die religiösen Beziehungen und sonstige Wertunterschiede ausserhalb den Rahmen der zwischenstaatlichen Beziehungen. In dieser Beziehung war das 20.Jahrhundert und vor allem die Periode des „kalten Krieges“ die Aberration, die jetzt unbedingt überwunden werden muss. Gerade das verstehen wir unter den deideologisierten internationalen Beziehungen.

Die Netzdiplomtie ist die Antwort auf die neue Realität, einschliesslich der „Verteilung der globalen Gewalt“. Wird das von Zb.Brzezinski angebotene „globales Netz der Sicherheit“, darunter auch durch den Abschluss der verpflichenden Abkommen, formalisiert - ist eine andere Frage. Man darf nicht ausschliessen, dass das Leben uns dazu später zwingen wird. Solange muss man jedoch davon ausgehen, dass das Netzzusammenwirken gerade infolge ihrer Biegsamkeit und Nichtformalisiertheit effizient ist. Hier wirken die zusammenfallenden Interessen der Staaten in konkreten Fragen, die auch als der wichtigste motivierende Ansporn dienen.

Wieviel auch zum Beispiel A.F.Kerenskij zur Fortsetzung des Krieges aufgerufen hatte, indem er darauf hinwies, dass „Die Welt schon längst zu einer einheitlichen Familie geworden ist, die oft innerhalb von sich selbst befeindet, aber durch die engsten Bande verbunden ist“ (aus der Rede zu den Delegierten von den Fronen vom 29.April 1917), trat jedoch Russland aus dem Krieg aus, da er den Interessen des Landes nicht entsprach, das ihn nicht fortsetzen konnte. Jemand musste es tun und das machten die anderen, nicht jedoch die Prowisorische Regierung.

Ich bin überzeugt, dass es in unserer Zeit keinen Gegenstand für die harten strategischen Blocks gibt. Die Sicherstellung des Überlebens der Menschheit auf unserem Planeten ist zum gemeinsamen strategischen Nenner geworden.

Es entsteht die Frage nach dem Leadertum. Niemand würde gegen das Leadertum, selbst des Einzelleadertums etwas einwenden, das nicht nur die Aufgabe stellen würde, die Interessen aller Staaten zu harmonisieren und sie auf den gemeinsamen Nenner zu bringen, sondern auch den politischen Willen und die Fähigkeit, diese Aufgabe zu meistern, demonsriert. Realistischer und auch praktischer sieht jedoch das aus, was in der Welt vor sich geht. Ich meine die Etablierung des kollektiven Leadertums der führenden Staaten, das tatsächlich repräsantiv in der geographischen und zivilisatorischen Beziehung sein sollte und in verschiedenen formellen und nichtformellen vielseitigen Mechanismen verkörpert ist, einschliesslich vor allem des UN-Sicherheitsrates, aber auch der „Acht“, der „Zwanzig“, BRIC-Staaten, SOZ und vieler anderen internationalen und regionalen Gebilde.

Ist es möglich, das die NATO zum Zentrum des Netzzusammenwirkens auf dem Gebiet der Sicherheit wird? Zuerst muss die Aliance ihre Transormation, deren Vektor zur Zeit noch nicht klar ist, abschliessen. Die Transformation im Sinne der „Eintracht des Westens“, wie es von einigen vorgeschlagen wird, ruft Fragen hervor. Das Problem hat zwei Querschnitte.

Erstens – die Zukunft der Nato selbst. Es wird vorgeschlagen, die Disziplin in der Aliance zu festigen, indem man der Artikel 5 des Washingtoner Vertrages im verpflichtenden Schlüssel neufasst und die Bestimmung über die Anwendung der Disziplinarmassnahmen bezüglich der Mitgliedsstaaten bis zum Ausschluss einführt. Ob es dem Zeitgeist entspricht – müssen die Mitglieder der Aliance selbst urteilen. Wenn jedoch die harte Blockdisziplin die Notwendigkeit der Harmonisierung der Interessen in der modernen Welt ersetzen wird, kann es sicher die Interessen auch der NATO-Partner, einschliesslich Russland, berühren. Weil es sich wiederum um die für alle Militärbündnisse gleiche Logik handelt.

Zweitens – das wäre die Zukunft des historischen Westens. Muss er auf den Wegen der Festigung der militärpolitischen Disziplin weiterbestehen oder zu etwas werden, was sich mit der übrigen Welt verträgt, einschliesslich der Beteiligung an der Entwicklung des regionalen und subregionalen Niveaus der globalen Verwaltung? Der Artikel von J.Chatojama in der „International Herald Tribune“ vom 27.August 2009 zog die Aufmerksamkeit auf sich, in dem der neue Ministerpräsident Japans sich zum Priorität der Teilnahme seines Landes an der regionalen Integration und der Schaffung der regionalen Strukturen der kollektiven Sicherheit, darunter auch als Mittel der Erhaltung der eigenen Eigenständigkeit, die das wichtigste Element des nationalen Seins ist, neigt.

Die Tendenz zur Regionalisierung wird zu einem der Schlüsselpunkte in der Entwicklung der internationalen Beziehungen in der gegenwärtigen Etappe. Ich nehme an, dass die Effizienz der Nato in vielem von den starken regionalen Strukturen abhängen wird, die mehr Verantwortung für die Sachlage in ihren Regionen übernehmen konnten, wie es durch die Statuten der Vereinten Nationen vorgesehen ist. Dann kann sich die UNO mit tatsächlich globalen Problemen im Interesse der gesamten Weltgemeinschaft beschäftigen.

Die Weltanschuung ist deshalb äusserst wichtig, weil sie der aussenpolitischen Philosophie der Staaten zugrunde liegt. Daher rühren die restlichen Fugen zwischen ihnen bei der Stellungnahme zu den Methoden der Lösung konkreter Probleme, obwohl sich die meisten Staaten in den allgemeinen, grundsätzlichen Fragen trotzdem annähern. Wenn es keine Bewegung zueinander auf diesem Niveau geschieht, wird die Konvergenz, das Zusammenwirken kraft der Instabilität der entsprechenden, sich im Laufe der Jahrhunderte formierten Stellungnahmen gebremst. Es handelt sich vor allem um die Intoleranz und der damit verbunenen Neigung zur gewaltsamen Lösung der Probleme.

Wenn man genau sieht, waren die Erfahrungen der religiösen, durch die Reformation hervorgerufenen Kriege zur eigenartigen Probe von dem, womit Europa im 20.Jahrhundert konfrontiert ist. Das bestätigt die Wahrheit, dass die Zukunft ihren Schatten weit voraus wirft, bevor sie eintritt (Wie Anna Achmatowa in ihren Erinnerungen über A.Modigliani schrieb). „Die Intoleranz und den engstirnigen Fanatismus“ jener, „die bereit sind“, die Welt im Namen ihrer Überzeugungen „umzukrempeln“, erforschte Walter Scott zu gut, im einzelnen, in seinen „Puritanern“. Wie bei jeden Aposteln des neuen Glaubens, waren für sie die Intoleranz bezüglich der Andersdenkenden und die Ansprüche auf die Rolle der vorherrschenden Religion kennzeichnend.

In der Behauptung seiner Abgeschlossenheit kann nicht der Westen, wie ebenda Walter Scott schrieb, den Weg der „hochmütigen und anmasenden Menschen betreten, die überzeugt sind, dass der Schoss der Rettung nur für sie eröffnet ist, dagegen alle anderen, wie nichtig die Unterschiede in den Bekenntnissen auch sein sollten, in der Tat kaum besser als Häretiker oder Heiden sind“. Wie zu gut bekannt ist es! Solche Intoleranz demonstriert auch die Französische Revolution, wie auch die russische. Die Revolution „frisst überall ihre Kinder“ im Namen der „Reinheit des Glaubens“. Das war unser allgemeines Unheil, aber auch unser allgemeines menschliches historisches Erbe, das wir notwendigerweise dementsprechend gemeinsam überwinden, „negieren“ müssen. Man darf nicht im einzelnen die Lehren der europäischen Geschichte, einschliesslich der Regelung aufgrund der Ergebnisse der Englischen Revolution unterschätzen, die den bekannen Romanisten zum Schluss über die Notwndigkeit der „gemeinsamen Anstrengungen der anständigen, wohlmeinenden und das Gefühl des Masses besitzenden Menschen“ bewegte. Es wäre schön, wenn die durch den hohe Preis bezahlten historischen Erfahrungen Europas für uns alle in einem weiten, offenen Blick auf die Sachlage verkörpern würde.

Unter den Bedingungen, da die Rolle des Faktors der Religion in den internationalen Beziehungen zunimmt, wäre vom Nutzen, sich an unsere christlichen Wurzeln zu wenden. Es geht nicht um diese oder jene konkrete Religion, sondern um die sittlichen Festen der Gesellschaft, die der Prozess der Dechristianisierung wie „ein Kind zusammen mit dem Wasser“ hinausgeschüttet hat. Dieser moralische Relativismus und im wesentlichen Nihilismus, liegt der jetzigen globalen Krise zugrunde, weil die Gesellschaft ohne Anerkennung des moralischen Wesens des Menschen, des sittlichen Gesetzes über ihn nicht funkionieen kann. Die zügellose Konsumtion ist die Folge der wertmässigen Sackgasse “der sinnlichen Kultur“, wie sie vom Pitirim Sorokin definiert war. Und jetzt, wo wir wissen, dass die Rückkehr zum vorigen Leben unmöglich sei, ist es erforderlich durch gemeinsame Anstrenungen die allgemeine sittliche Grundlage legen, einschliesslich der für alle zwingenden „Spielregeln“ zwecks der stabilen Postkrisenentwicklung. Es ist wichtig zu begrfeifen, dass die jetzige Situation verlangt, dass wir über die einfache Koexistenz, die während des „kalten Kreiges“ der Fall war, hinausgehen.

Wir schlagen vor, dass der zukünftige Vertrag über die europäische Sicherheit juristisch bindend wäre. Er würde von sich aus die Sammlung der für alle pflichtigen Regeln – als die Grundlage der gegenseitig günstigen Bezehungen und der wahren kollektiven Anstrengungen im Geiste der Zusammenarbeit in der Euroatlantichen Region darstellen. Der Vertrag würde zu einem internationalen Rechtsakt auf dem Gebiet der Sicherheit, die die früher in der OSZE und dem Russland-NATO-Rat angenommenen Verpflichtungen juristisch zemmentieren würde.

Es entsteht der Eindruck, dass die tiefgreifende Analyse des Arikels 5 des Washingtoner Vertrages durch Zb.Brzezinski manchen Mitgliedern der Aliance den Anlass gab, die eigene Geborgenheit zu bezweifeln. Dann ist der Vertrag um so notwendiger, da er allen die gleiche Gewähr für ihre Sicherheit geben und die Voraussagbarkeit der gesamten euroatlantischen Politik gewährleisteten würde.

In jedem Falle gibt die Sachlage im Euro-Atlantik mehr als ausreichend Gründe dafür, um, wie der Präsident D.A.Medwedew sagte, „den Willen aller Staaten in Einklang zu bringen“.*

Ich bin sicher; dass doe wichtigste Gefahr von der Trägheit des Denkens in den Kategorien Osten – Westen, Norden – Süden ausgeht. Ohne sie zu überwinden, werden wir nichts erreichen- Um so mehr, dass unter den gegenwärtigen Bedingungen keine Region den Asnspruch auf das Dominieren in den Weltangelegenheiten erheben kann.

Die Situation, die mit der jetzigen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise verbunden ist, verlangt ebenfalls gemeinsame Handlungen. Diese Arbeit an der Formierung der vereinigenden Tagesordnung wird schon im Rahmen des Gipfeltreffens der „Gruppe Zwanzig“ und der Gruppe „Acht“ geleistet. Nur durch gemeinsame Entscheidungen zwecks der Formierung der globalen Finanzarchitektur können wir die gegenseitige negative Abhängigkeit, da die „Krise der Verantwortung“ (F.Fillon in Jaroslawl) in einem Lande global wird, in die positive umwenden.

Russland strebte zwanzig Jahre lang nach den neuen Beziehungen mit dem Westen. Es entstand jetzt die reale Möglichkeit, die negative Dynamik der letzten Jahre zu überwinden. Für Russland, wie auch für unsere westlichen Partner steht viel auf dem Spiel. Wie Präsident D.A.Medwedew betont, müssen langfristige Ziele der Modernisierung des Landes unsere Aussenpolitik bestimmen. Es ist klar, dass deren wichtigsten Quellen unsere Zusammenarbeit mit den westlichen Partnern sein kann. Das ist der wahre strategische Schritt und wir hoffen, dass man uns entgegenkommt. Wir haben nichts zu teilen. Wir haben gemeinsame zivilistorische Wurzeln und gemeinsame Geschichte.

Rusland hat schliesslich zu viel für Europa geleistet, mindestens in den letzten drei Jahrhunderten, indem sie ein Teil der ausbilanzierten europäischen Politik während der Regierungszeit vom Peter I. geworden ist. Wir retteten zweimal, vielleicht auch dreimal - wie Deus ex machina in den altgriechischen Tragödien Europa, da die eigene Unbesonnenheit es in die Sackgasse, an die Grenze der zivilisatorischen Katastrophe führte. Sogar mehr: Wir ahnten das Herannahen solcher Momente in unserer grossen Literatur des 19.Jahrhunderts und warnten Europa. Die „Besy“ (Die Dämonen) F.M.Dostojewskij΄s dienten zum Beispiel in gleichem Masse für die hausbackenen Anwärter darauf, zwangsmässig „die Menschheit zu beglücken“, wie auch für jene im Westen, die anderen Formen der berüchtigten „politischen Zweckmässigkeit“ praktizierten, da das Ziel die Mittel heiligt. Es ist keine Schuld Russlands, wenn die Ereignisse des 20.Jahrhunderts die Richtigkeit der Mutmassungen und Prophezeiungen von F.M.Dostojewski, O.Spengler, P.A.Sorokin und anderen Denkern über die historischen Geschicke des Westens bewiesen.

Wir verfügen über die gemeinsamen Erfahrungen dessen, wozu der Wille, die frei von der Moral ist, führt. Nicht von ungefähr stellt O.Spengler diese nietzscheanische These der Philosophie F.M.Dostojewski΄s – dem „russischen Mitleid“ gegenüber, in dem sich „der Geist in der Brudermasse“ auflöst. Russland kann etwas zum gemeinsamen europäischen „Kessel“ beisteuern, darunter die jahrhundertalten Erfahrungen des zwischenzivilisatorischen und zwischenkonfessionellen Einvernehmens, der Bedarf Europas an ihm wird nach dem Masse der Zunahme der Migranten aus anderen Weltregionen wachsen.

Die Definition der europäischen Zivilisation und der nordatlantischen Gemeinschaft selbst muss nach unserer Meinung erweitert werden, damit der gesamte Raum von Vancouver bis Wladiwostok und vor allem Russland aufgenommen werden konnten. Das würde die Probleme des historischen Westens unter den neuen Bedingungen lösen, die Chancen aller von uns, die würdige Rolle in den gemeinsamen Angelegenheiten der Menschheit – zusammen mit den andren globalen Partnern zu spielen, verbessern. Und hier konnte das Zusamenwirken der führenden realen Akteure – Russland, Europa und die USA - der politischen Eintracht unserer Region zugrunde liegen.

Es handelt sich gerade um die Harmonisierung der Beziehungen und Interessen, die gegenseitge Annäherung und gegenseitige Verschmelzung der Kulturen und Wirtschaften. Es wäre aussichtslos, Moskau an die ohne uns übereigestimmen Positionen „heranzuziehen“. Wir können die Krise des Vertrauens nur überwinden, wenn wir gemeinsam, in kollekiver Weise auf allen Ebenen wirken würden. Man kann annehmen, dass es, obwohl auch in verschiedenem Masse die Umformulierung der naionalen Interessen seitens der politischen Eliten aller Staaten auf solche Weise verlangen wird, so dass sie mit den Interessen der Partner und den gemeinsamen Interessen der internationalen Gemeinschaft kompatibel sind.

Den Tragödien der 19.-20.Jahrhunderte liegt die Krise der europäischen Gesellschaft zugrunde, deren traditionellen Festen im Ergebnisse der zahlreichen Revolutionen erschüttert waren, da die ganze Welt zum Opfer dessen wurde, was Zb.Brzezinski „den Bürgerkrieg inmitten des Westens“ nannte. Es gelang nur unter den Bedingungen der Sackgasse des „kalten Krieges“ und dessen politischen Imperativen sowie auf der neuen technologischen Grundlage das stabile Modell der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung zu schaffen, die sozial orientiert ist, das allemene Wahlrecht besitzt und sich auf den bedeutenden Mittelstand stützt.

Die Grundlagen der neuen Weltordnung reiften in der alten westzentrischen heran. Diese ewige Dialektik, die den grössten Teil der Geschichte der Menschheit erklärt, ermöglicht es auch heute, das Geschehene zu verstehen. Sie hilft auch das Verdikt der Geschichte zu akzeptieren, das ideologisch unvoreingenommen ist. Nehmen wir den Fall der Berliner Mauer oder den Zerfall der Sowjetunion, vergebliche Versuche der Gewaltlösung der bestehenden internationalen Probleme oder die jetzigen Finanz - und Wirtschaftserschütterungen, deren Gründe in der Brüskierung der Lehren der Grossen Depression in den 20er - 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts liegen, oder den Beginn des Zusammenbruches des Finanzsektors 1982 – überall zeichnet sich eine für alle „die permanente“ Krise des entstandenen Systems der globalen Verwaltung. Wie es mehrmals in der Vergangenheit geschah, bleibt nicht anderes übrig, als nur diesen Mechanismus umzustimmen entsprechend den neuen Realien, damit er die kultur-zivilisatorische Viefalt der Welt nicht verneinte, sondern verkörpert.

Es liegt auf der Hand, dass wir die Zeugen des Zerfalls der alten soziokulturellen Ordnung und des Werdeganges der neuen sind, die das güntigen Konvergenzmoment in der Weltenwicklung und den internationalen Beziehungen darstellt. Ein wichtiges Element dieses Weltbildes wird gewiss das Beste, wirklich Allgemeingültige, von der Zeit Auserwählte, darunter auch nach den Ergebnissen der jetzigen Krise, was für die Welt der Westen verursachte, sein. Nicht weniger bedeutsam wird auch der Beitrag aller anderen zivilisatorischen Gemeinsamkeiten sein. Auf dieser Grundlage könnte man durch gemeinsame Aktionen die Leitbarkeit der Weltentwicklung wiederherstellen.

Es entstehen im grossen und ganzen die Bedingungen für die Deideologisierung und Demilitarisierung der internationalen Beziehugen, die Behauptung der Prinzipien der Toleranz und des Pluralismus, der Koexistenz verschiedener Modelle der sozial-ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung und verschiedener Wertsysteme in diesen Modellen.

Ohne Zweifel sind nicht alle darauf gefasst. Bei vielen herrscht die Trägheit der Vergangenheit vor, das Bestreben, im Flussbett der Logik der Spiele mit dem Null-Ergebnis zu spielen, da die Sicherheit oder die ökonomischen Interessen der einen auf Kosten der anderen gewährleistet wurden. Die Trägheit des „einpoligen Momentes“ und alles, womit es verbunden war, lässt sich erkennen, einschliesslich der freien Handhabung der Normen des Völkerrechts. Dabei würde übrigens die Ausarbeitung und der Abschluss des Vertrages über die europäische Sicherheit eine gute Medizin. Um so wichtiger ist die Aufgabe, die Übereinstimmung zu erreichen, die zur Überwindung der ideologischen Hürden aus den Zeiten des „kalten Kreiges“ und dem Umdenken der Geschehnisse in der Welt in den fundamentalen, Nichtkonfrontationskategorien führen wird.

* Aus der Ansprache D.A.Medwedews auf der internationalen Konferenz „Der moderne Staat und die globale Sicherheit“, am 14.September in Jaroslawl

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